Christian Becker

P. Caspari

Sebastian Lugosch

Katja Eichler

Dima Gekkerov

Kerstin Göb

Gesine Hochmuth

J. Huisken

Iris Janusch

K. Jeschonek

Julia Krämer

Julia Nissen

Yves Kaprolat

Merlin Klein

Katharina Mehr

Katja Moor

Christiane Otto

I. Pelzel

C. Petzold

Ulrich Pohl

Eva Rollmann

Sahlgaard-Johansson

Alex Sobolev

Johanna Stühlinger

Hanna Sönnicken

Nina Süßbrich

Ryoko Ueda

Ricarda Wolf

Carmen Zabicki


Der schöne Schein

Eutektikum
in Vitrine 11/12

das ist wie Pech und Schwefel
das sind zwei Künstler
das ist die Adresse für Kunden
seit 1992
zwei Künstler,
die schon seit Anbeginn der Zeit
Aufsehen erregt haben.
Ihre Arbeiten sind gut, das weiß man.
Ihre Strategie auch.

Da ihre Eltern in der
Schmuckkunstszene bekannt waren,
und deren Eltern auch,
ist ihr Erfolg kein Wunder.
Wer viel wagt, der kann viel verlieren.
Wer abgesichert ist, ist abgesichert
oder
wie sie sich in einem Interview äußerten:
Überlasst das Schmuckmachen uns,
das ist besser für Alle.
Alles was wir anfassen wird zu Gold.
….. Wir entwarfen in den Neunzigern
einen..-
Schlips zum drauf treten,
er war ein Erfolg…
und wurde 12.380 mal verkauft!
Im ersten Jahr!
(Beide grinsen verschmitzt und werfen
sich einen siegerhaften Blick zu)


Dazu ein Interview mit den zwei Künstlern Herrn Eutek und Frau Tikum von Eutektikum

Herr Z. A.: Wie ich Ihrem Text aus Vitrine 11/12 der Ausstellung der diesjährigen Abschlussarbeiten der Staatlichen Zeichenakademie entnommen habe, zeichneten Sie sich schon durch ein famos erfolgreiches Schaffen im Schmuckbereich aus, bevor Sie an der Zeichenakademie in Hanau ihre Ausbildung zum staatlich geprüften Goldschmied/in antraten. Was bewog Sie zu diesem Schritt?
Herr Eutek: Ja,      warum ?
Herr Z.A.:  Naja, warum dann die Ausbildung zum staatlich geprüften Goldschmied?
Frau Tikum schaut träumend in den Himmel und sagt: Eben staatlich geprüfter Goldschmied, das hört sich doch verdammt gut an.
Herr Z.A.: Und warum gerade die ZA?
Frau Tikum: Empfehlung von Herrmann Jünger.
Herr Z.A.: Bei der Präsentation der Abschlussarbeiten zum Thema „Der schöne Schein“, dekorierten Sie Ihre Vitrine unter dem Namen Eutektikum.
Herr Eutek: Frau Tikum und ich arbeiten unter diesem Namen schon Jahrzehnte zusammen. Einige werden sich spätestens bei dem Begriff „Schlips zum drauf treten“ an uns erinnern.
Frau Tikum: Schlips zum drauf treten!!
Herr Z.A.: Ah, ja, das war damals. Sie haben damit ganz schön für Aufsehen gesorgt.
Eutektikum: Ja, das haben wir.
Herr Z.A.: Darf ich ein Eutogramm haben?
Herr Eutek: Später.
Herr Z.A.: Wie könnte man den Schmuck, den Sie heute machen nennen?
Eutektikum: Beide werden nachdenklich. Sie schauen sich an. Herr Eutek tippelt mit Zeige- und Mittelfinger an seine gespitzten Lippen. Er beugt sich hinüber zu Tikum, flüstert ihr etwas ins Ohr. Ihr Blick wird klar, sie nickt und sagt: konjunkturunabhängig.
Herr Z.A.: Frau Tikum, welche Rolle spielen für Sie die Lehrenden an der Schule. Sind sie einfach nur die schlecht organisierteste Mafia der Welt?
Frau Tikum: Das mit den kecken Fragen müssen Sie noch üben. Aber ja, die Lehrer spielen eine Rolle. Oft kamen sie mit Problemen zu mir, haben um Rat gefragt. Es tut gut Anderen helfen zu können. Ihre welpenhafte Tapsigkeit hat mich oft zum Lachen gebracht. Diese Freude kann ich beim Schmuckgestalten gut gebrauchen.
Herr Z.A.: Ah ja.
Herr Eutek, die ZA ist eine Schule, ich korrigiere, eine Berufsfachschule. Würden Sie sagen, dass Individualisten wie Sie einen Platz an dieser Schule haben?
Frau Tikum: Ich bin auch Individualist!
Herr Eutek: das meine ich aber auch, sind wir nicht alle ein bisschen, .... Individualist.?!
Frau Tikum: Bevor Sie fragen. Wir haben von der Vielfalt an Schülern, den Gold- und Silberschmieden, Metallbildnern, Graveuren und Edelsteinfassern sehr profitiert, und alle von uns.
Herr Z.A.: Das wollte ich gerade fragen.
Frau Tikum richtet sich auf, ist jetzt fast doppelt so groß, schlägt ihre Augen langsam zu und wieder auf und sagt:“ Ich weiß, ich weiß alles.“ Bei dem Wort alles wird ihre Stimme langsam leiser und das s zischt sie wie eine Schlange.
Herr Z.A.: Ah ja,  ok.
Eine Frage noch. Wie sieht Ihre Zukunft aus?
Frau Tikum: Oh, die sieht vielversprechend aus.
Herr Eutek: Wir haben große Pläne. Die passen nicht ins Interview.
Herr Z.A.: Ich danke Ihnen für das offene Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg. Ach, und Danke für das Eutogramm.
Alle grinsen verschmitzt und werfen sich zufriedene Blicke zu. Soviel zum schönen Schein.

. . Die absolvierte 3,5 jährige vollschulische, handwerklich gestalterische Ausbildung zum staatlich geprüften Goldschmied hat Herrn Eutek und Frau Tikum scheinbar ihren Verstand gekostet, dafür haben sie jetzt ordentlich Selbstbewusstsein.
Das diesjährige Thema „der schöne Schein“. brauchte nicht die Banken- und Finanzkrise um an Relevanz zu gewinnen. Fasziniert doch seit jeher zu Recht der Glanz von edlen Metallen und Steinen. Dachten einige an „mehr Schein als Sein“ ,erinnerten sich andere daran, dass Schmuck per se seinen TrägerInnen Ausstrahlungskraft verleihen mag. Welchen Ansatz auch immer die Absolventinnen verfolgten, es galt das Thema eigenständig zu interpretieren und konsequent umzusetzen. Dabei ging es ihnen während des Entwurfprozesses nicht um die Suche nach dem Neuen als Selbstzweck, sondern um die jeweilige Formulierung einer persönlichen individuellen Idee.
Dieses Jahr erhielten 30 Goldschmiede, 8 Silberschmiede, 2 Graveure und 2 Edelsteinfasser ihre ersehnte und verdiente staatliche Anerkennung.

M. Klein   J. Nissen    A. Decker